Tertiärverkabelung
Sie beinhaltet die horizontale Verkabelung auf einer Etage (Horizontal Cable).
Hier finden zum Großteil immer noch herkömmlich 10 Mbps Ethernet Technologien
Verwendung.

Abbildung:
Hierarchische Verkabelung
Bei der Ausbildung der Backbones wird weiterhin zwischen dem distributed Backbone
sowie dem collapsed Backbone unterschieden. Der distributed Backbone ist als Bus
oder Ring ausgelegt. Sämtliche Verteiler der nächsthöheren Verkabelungsebene sind an
dasselbe Kabel angeschlossen. Die Merkmale dieser Backbone-Topologie entsprechen damit
denen des Busses bzw. Rings. Der collapsed Backbone hingegen ist als Stern ausgelegt. Er
bietet, wie bei einer Stern-Topologie üblich, die höhere Flexibilität und
Ausfallsicherheit.
Koaxialkabel
Das Koaxialkabel gehört zu den unsymmetrischen Kupferleitern. Es verfügt über einen
zylindrischen Innenleiter, welcher von einem als Hohlzylinder ausgebildeten Außenleiter
umgeben ist. Die Verwendung weiterer Außenleiter dieser Art ermöglicht eine weitere
Erhöhung der Unempfindlichkeit gegenüber Fremdeinkoppelungen.

Abbildung:
Aufbau eines Koaxialkabels
Die Formgebung des Außenleiters ermöglicht die Führung hoher
Frequenzen bis in den Gigahertzbereich innerhalb eines Koaxialkabels. Sein Anwendungsfeld
ist daher neben älteren Varianten des Ethernets hauptsächlich die Breitbandtechnik. Das
populärste Beispiel ist hier die Verbreitung analoger und digitaler Fernsehprogramme
über das Breitband-Kabelnetz.
Eine wichtige Größe des Koaxialkabels ist der Wellenwiderstand. Er muß zur
Vermeidung von Reflexionen an den Widerstandsbelag des Kabels angepasst werden. Die
Tabelle zeigt ein Übersicht der in der Datenübertragung am häufigsten verwendeten
Koaxialkabel.
Tabelle:
Koaxialkabel zur
Datenübertragung
|
Kabeltyp
| Wellenwiderstand |
Beispiel |
Yellow Cable |

|
10Base5 |
RG-58U |

|
10Base2 |
RG-59 |

|
Kabelmodems |
RG-62 |

|
ARCnet |
Die Verwendung des Koaxialkabels zur Datenübertragung nimmt trotz seiner guten
übertragungstechnischen Eigenschaften stetig ab. Während es im Bereich lokaler Netze
immer weiter durch die symmetrischen Kupferleiter verdrängt wird, ist es in
Weitverkehrsnetzen durch die steigende Popularität der Lichtwellenleitertechnik nahezu
bedeutungslos geworden.
Symmetrische Kupferkabel
Die überragende Rolle bei der Neuverkabelung lokaler Netze hat inzwischen das zu den
symmetrischen Kupferkabel gehörende Twisted-Pair-Kabel (TWP) eingenommen. Es
besteht aus insgesamt vier bzw. acht Adern, die paarweise miteinander verdrillt sind
(Abb.). Unterschieden wird weiterhin in der Art der Abschirmung. Während das Unshielded
Twisted-Pair (UTP) nur mit einer Gesamtabschirmung versehen wird, ist beim Shielded
Twisted-Pair (STP) eine zusätzliche Abschirmung jedes Adernpaares vorgesehen.
Die heute allgemein anerkannte Gliederung für Twisted-Pair Kabel in fünf Kategorien
geht auf die 1991 von der amerikanischen Electronic Industry Association und der Telecommunications
Industry Association (EIA/TIA) veröffentlichte Richtlinie TSB-36 zurück.
Zur Gliederung der UTP-Kabel wurden die Wellendämpfung sowie Nahnebensprechdämpfung
herangezogen. Allen Kabeln gemeinsam ist ein Wellenwiderstand von
. Die ISO übernahm die
Spezifikationen zu UTP-1 bis 5 in den von ihr veröffentlichten Kabelklassen
(Class A,B,C
und D). Zusätzlich legte sie die maximale Länge eines UTP-Kabels innerhalb einer
Stern-Topologie (s.u) auf 100 m fest.

Abbildung:
Shielded- und Unshielded Twisted-Pair
Tabelle: Twisted-Pair Kategorien,
ISO-Klassen
|
Kabeltyp
| Wellenwiderstand |
Frequenzbereich |
ISO-Klasse |
Beispiel |
UTP-1 |

|
100 KHz (ISO) |
Class A |
- |
UTP-2 |

|
100 KHz (ISO) |
Class A |
- |
UTP-3 |

|
16 MHz |
Class B |
10Base |
UTP-4 |

|
20 MHz |
Class C |
Token-Ring |
UTP-5 |

|
100 MHz |
Class D |
100BaseTX |
STP |

|
20 MHz |
-- |
Token-Ring |
Lichtwellenleiter
Als Medium für eine breitbandige Datenübertragung in LANs und vor allem in WANs
werden immer häufiger Lichtwellenleiter verwendet. Als Material eignet sich insbesondere
aufgrund geringer Dämpfung, mechanischer und chemischer Eigenschaften sowie seiner hohen
Verfügbarkeit Quarzglas. Daraus abgeleitet werden Lichtwellenleiter auch als Glasfasern
bezeichnet. Weitere Materialien sind Fluoridglas sowie diverse Kunststoffe.
Lichtwellenleiter können generell anhand der
unterschieden werden. In Abhängigkeit von der Anzahl der in der Faser geführten Moden
wird zwischen Mehrmodenfasern (Multimode Fiber) und Einmodenfasern (Singlemode
Fiber) unterschieden. Während in Mehrmodenfasern mehrere Wellenzüge
ausbreitungsfähig sind - die Wellengleichung besitzt hier mehrere Lösungen -, kann sich
in Einmodenfasern allein der Grundmode ausbreiten. Beide Faserarten können
unterschiedliche Brechzahlprofile aufweisen:

Abbildung:
Lichtwellenleiter
Zu den Mehrmodenfasern zählen Fasern mit Gradientenprofil sowie
Stufenprofil-Fasern mit nur einem Mantel. Letztere bestehen aus einem Kern mit hoher
Brechzahl, welcher von einem Mantel geringerer Brechzahl umgeben ist. Durch Totalreflexion
an der Grenzschicht werden die Wellen innerhalb der Faser geführt. Durch den im Vergleich
zur Wellenlänge sehr großen Kerndurchmessers (100..400
m Durchmesser bei
< 800 nm) breiten
sich unterschiedliche Wellenzüge unter verschiedener Winkeln in der Faser aus. Die
hieraus resultierende Laufzeitunterschiede führen zu einer Verzerrung der gesendeten
Impulse. Dieser Effekt wird Modendispersion genannt. Er begrenzt die maximal
nutzbare Datenrate bzw. die Länge, über die mit einer gegeben Datenrate übertragen
werden kann.
Mehrmodenfasern mit Gradientenprofil weisen einen kontinuierlichen Verlauf der
Brechzahl auf. Dies bewirkt, daß Wellen mit wachsendem Abstand zur Kernachse stärker
gebrochen werden. Durch diesen Effekt können die auftretenden Laufzeitunterschiede und
somit die Modendispersion erheblich vermindert werden.
Innerhalb von Einmodenfasern ist, wie bereits erwähnt, allein der Grundmode
ausbreitungsfähig. Mit dem damit verbundenen Fortfall der Modendispersion erschließt
sich die nutzbare Bandbreite bis in den Terrahertzbereich. Heutige
Hochgeschwindigkeitsnetze auf Basis von Lichtwellenleitern agieren zwischen 100 MHz und
mehreren Gigahertz.
Als optische Sender finden neben LEDs bzw. IREDs (Light Emitting Diode bzw. Infrared
Emitting Diode) inzwischen häufig Laserdioden (LD) Verwendung. Sie
zeichnen sich durch eine kohärente, gebündelte Abstrahlung aus und ermöglichen daher im
Vergleich zu allen anderen optischen Sendern eine erheblich bessere Einkoppelung der
Wellen in die Faser.
Zu den wichtigsten Vorteilen der Lichtwellenleitertechnik gegenüber dem Einsatz von
Kupferleitern zählen
-
die großen Übertragungsbandbreiten,
-
eine niedrige Signaldämpfung,
-
die Unempfindlichkeit gegenüber elektromagnetischen Störungen,
-
die Galvanische Entkoppelung zwischen Sender und Empfänger sowie
-
eine nahezu vollkommene Abhörsicherheit.
Dem generellen Einsatz von Lichtwellenleitern auf allen Datenübertragungsstrecken
stehen jedoch die gravierenden Nachteile der aufwendigen Einkoppelung, der komplizierten
Verlängerung von Glasfasern (Spleißen) und die damit verbundenen hohen Kosten entgegen.
Entwicklungsaspekte
Eines der Hauptziele bei der Entwicklung neuer Netzwerkstandards ist die Integration
aller durch Rechnernetze und bisherige Spezialnetze bereitgestellten
Dienste in einem gemeinsamen Kommunikationsnetz. Neben dem Gesichtspunkt der
reinen Steigerung der verfügbaren Bandbreite sind daher folgende Aspekte zu
berücksichtigen:
-
die gleichzeitige Übertragung verschiedener Datenformate wie z.B. Video, Audio und
Standbilder über dasselbe Medium,
-
die Übertragung zeitkritischer Daten in Echtzeit sowie
-
die optimale Auslastung der zur Verfügung stehenden Bandbreite bei gleichzeitiger
Zuteilung gesicherter Datenraten an die einzelnen Anwendungen.
Ein hierzu geeignetes Übertragungsverfahren muß daher in der Lage sein, mögliche
Datenformate bzgl. ihrer Anforderungen in Klassen zu gruppieren und eine entsprechende
Dienstgüte, Quality of Service (QoS), bei der Übertragung zu gewährleisten.
Charakterisierung der Dienstgüte
Die Dienstgüte wird durch die Summe der Übertragungseigenschaften des (virtuellen)
Kanals bestimmt, welcher für die Anwendung bereitgestellt wird. Je nach Art des
dienstanbietenden Netzes wird zwischen zwei Arten des QoS unterschieden:
- Timeliness QoS
Beschreibung der Dienstgüte in Abhängigkeit zeitlicher Aspekte der Übertragung.
- Connectivity QoS
-
Beschreibung der Dienstgüte in Hinblick auf den Koppelungsgrad an das dienstbietende
Netz.
Timeliness QoS
Vom Standpunkt der drahtgebundenen Kommunikation, wie sie z.B. innerhalb eine LANs
vorliegt, ist der Timeliness QoS der wesentliche Aspekt. Im Gegensatz zu
Datenkommunikation über Funk stellt hier die reine Verfügbarkeit eines Kanales zur
Kommunikation meist kein Problem dar. Vielmehr wird hier die Dienstgüte anhand der
Eignung des verfügbaren Kanals für eine Anwendung beschrieben. Zur Differenzierung
dienen hier
-
die Höhe des Datendurchsatzes (Throughput),
-
die absolute zeitliche Verzögerung bei der Übertragung (Latency) sowie
-
die Schwankungen der absoluten Verzögerungszeit (Jitter).
Der zentrale Parameter ist hierbei der
Throughput. Er ist durch die einer Verbindung
zugewiesenen Bandbreite bestimmt.
Streng voneinander unterschieden werden müssen Latency und
Jitter. Die Latency
spezifiziert die absolute Verzögerungszeit einzelner autonomer Dateneinheiten zwischen
ihrer Generierung durch die Datenquelle und der Ankunft bei der Datensenke. Im Gegensatz
hierzu wird durch den Jitter die zulässige Schwankung der Laufzeit beschrieben. Er ist
durch unterschiedliche zeitliche Abstände von Dateneinheiten innerhalb eines Datenstroms
zu erkennen

Abbildung:
Laufzeit einzelner Dateneinheiten

Abbildung:
Jitter während der Übertragung
Datendurchsatz und Jitter sind die für einen isochronen, kontinuierlichen
Datenfluss,
wie z.B. der Übertragung eines Videosignals, ausschlaggebenden Qualitätsparameter. In
Bereichen von Echtzeitkontrollsystemen, wie der Überwachung verteilter
Produktionsabläufe, ist hingegen die absolute Verzögerungszeit der Dateneinheit selbst
der wichtigste Qualitätsparameter. Hier muß sichergestellt sein, daß eine
Steuerinformation innerhalb einer definierten Maximalzeit übertragen wird.
Connectivity QoS
Die Koppelung der Station an das Übertragungsmedium und die damit verbundene
Verfügbarkeit von nutzbaren Kanälen wird im Connectivity QoS erfaßt. Die Verfügbarkeit
von Kanälen ist hierbei insbesondere von der Mobilität der Dateneinrichtung sowie deren
Zugriffshäufigkeit auf die Ressourcen des Übertragungsmediums abhängig. Es wird daher
zwischen Netzen unterschieden, deren Dateneinrichtungen aufgrund ihrer Funktionalität keiner,
einer zeitweisen oder einer ständigen Koppelung an das Medium bedürfen.
Die verfügbare Bandbreite ist dabei gegenläufig zur Mobilität der Dateneinrichtung.

Abbildung:
Charakterisierung von Netzen bzgl. ihrer
zeitlichen Koppelung an das Medium
Serviceklassen
Auch wenn der Begriff der Serviceklasse im allgemeinen an die spezifische
Implementierung eines Übertragungssystems gebunden ist, soll er an dieser Stelle
implementierungsunabhängig betrachtet werden.
Eine Serviceklasse umfasst jeweils eine Untergruppe möglicher
QoS-Parameter. Ihre
Eigenschaften korrenspondieren daher direkt mit denen der Applikationen, die sie
anfordern. Die Gesamtheit aller Serviceklassen spiegelt die Leistungsfähigkeit des
Übertragungssystems wieder. Von der Integrated Services Working Group der IETF (Internet
Engineering Task Force) wurden fünf Serviceklassen definiert:
-
Controlled Load QoS.
-
Controlled Delay QoS.
-
Predictive Delay QoS.
-
Committed Rate QoS.
-
Guaranteed QoS.
Insbesondere von Seiten der Implementierung sind dabei der Controlled Load QoS
und der Guaranteed QoS die entscheidenden Serviceklassen.
Durch die Kontrolle der von Anwendungen angeforderten Übertragungsraten mit der durch
das Übertragungsmedium maximal bereitgestellten, ermöglicht der Control Load QoS
die dedizierte Zuweisung von Bandbreite. Die übrigen QoS-Parameter bleiben
unberücksichtigt. Da die maximale Transferrate eines Übertragungsmediums eine
unveränderliche Größe ist, ist eine Implementierung des Control Load QoS auch oberhalb
der Sicherungsschicht möglich. Dies bedeutet, daß eine internetweite Einführung des
Control Load QoS auf Basis von RSVP ohne Änderungen der unteren Schichten und
damit zum Großteil ohne Austausch von Hardware erreicht werden kann. Auch wenn allein der
Parameter des Throughputs berücksichtigt wird, so nimmt der Control Load QoS damit doch
eine Sonderstellung im Vergleich zu den übrigen Serviceklassen ein.
Im Gegensatz zum Control Load QoS berücksichtigt der Guaranteed QoS alle
Serviceparameter bzw. Kombinationen daraus

Abbildung:
Resourcenbelegung einzelner Serviceklassen
Unterschieden wird zwischen folgenden Serviceklassen:
- Constant Bit Rate (CBR)
Einer Anwendung wird eine feste Transferrate (Bitrate)
incl. maximal zulässiger Jitter-
und Latency-Werte zugewilligt. Diese Serviceklasse ist auf anspruchsvolle Dienste wie z.B.
Videokonferenzen zugeschnitten.
- Variable Bitrate (VBR)
-
Die Serviceklasse wird durch die Angaben der mittleren Bitrate sowie einer ggf. maximal
auftretenden Burstrate beschrieben. In einer zweiten Ausprägung, dem Realtime VBR (rt
VBR), können zudem Angaben für die Latency und den Jitter spezifiziert werden.
- Unspecified Bit Rate (UBR)
-
In dieser Serviceklasse könne keine Vorgaben gemacht werden. Die maximale Bitrate wird
zwar spezifiziert, wird aber vom Netz nicht garantiert, sondern dient allein der
Kalkulation der abzüglich CBR, VBR und dieser Serviceklasse noch verfügbaren
Resourcen.
- Available Bit Rate (ABR)
-
Ihr stehen die nicht durch andere Serviceklassen belegten Resourcen zur Verfügung.
Anders als bei UBR-Verkehr wird eine minimale Datenrate spezifiziert. ABR-Verkehr genügt
daher höheren Anforderungen als UBR-Verkehr.
Serviceparameter berücksichtigt (*), nicht
berücksichtigt (-)
Tabelle: Parameter der Serviceklassen
CBR |
rt VBR |
nrt VBR |
UBR |
ABR |
Maximale Transferrate |
* |
* |
* |
* |
* |
Mittlere Transferrate |
- |
* |
* |
- |
- |
Burstrate |
- |
- |
- |
- |
* |
Jitter |
* |
* |
- |
- |
- |
Latency |
* |
* |
- |
- |
- |
Als weitere ,,Serviceklasse`` kann der Best Effort QoS
angesehen werden. Er impliziert die Nichtberücksichtigung jeglicher QoS-Parameter und
beschreibt damit die gegenwärtige Art des Datenaustausches im größten Teil des
Internets. Die Resourcen der Übertragungsstrecken können nicht für einzelne Anwendungen
reserviert werden, sondern sind jedem Teilnehmer in gleicher Weise zugänglich. Im Zustand
geringer Last, können zwar auch Best-Effort-Netze zur Echtzeitdatenkommunikation genutzt
werden (z.B. eine Audiokonferenz über ein LAN mit nur wenigen angeschlossenen Maschinen),
bei ansteigender Last hingegen wird die Kommunikation aufgrund der nicht mehr verfügbaren
Resourcen scheitern.
Die Gewährleistung eines Guaranteed QoS setzt die Präsenz von QoS-sensitiven
Protokollen auf allen Ebenen des OSI-Modells voraus. Die folgenden Kapitel werden daher
die hierzu notwendigen Protokolle vorstellen.