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Roland Lenz, 30.12 1998

HISTORISCHE ENTWICKLUNG DER KOMMUNIKATIONSNETZE

 

Schon lange war es ein besonderes Bedürfnis der Menschen, Informationen über weite Strecken zu übermitteln. Bereits aus dem klassischen Altertum sind Gerätschaften bekannt, die dem Ziel der Informationsübertragung dienen oder dienen sollten. Einen breiten Raum nahmen optische Informationssysteme ein: Feuer-, Rauch- und Flaggenzeichen bildeten die Grundlage räumlich ausgedehnter Kommunikationssysteme. Diese Kommunikationssysteme waren allerdings nur bei gutem Wetter einzusetzen und häufig auch durch Übermittlungsfehler nur bedingt brauchbar. Erst mit dem Bau des optischen Telegraphen von Claude Chappe im Jahr 1794, für eine Nachrichtenstrecke von Paris nach Lille, entstand für die damalige Zeit eine schnelle Informationsübertragungsstrecke. Ein Zeichen konnte die 212 km lange Strecke, über 23 Poststationen hinweg, in 2 Minuten durchlaufen. Die Stationen mussten in Sichtverbindung sein und waren auch nur bei guten Witterungsverhältnissen einsetzbar. Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang der zügige Aufbau eines von Paris sternförmig ausgehenden Telegraphennetzes in Frankreich. Da es sich bewährte, wurden Telgraphennetze auch in anderen Staaten eingerichtet.

Das Zeitalter der elektrischen Kommunikationssysteme begann 1833 mit dem Nadeltelegraphen von Friedrich Gauss und Wilhelm Weber. Kommerzielle Telegraphensysteme setzten sich mit dem Telegraphenalphabet von Samuel Finley Breese Morse und dem Drucktelegraphen von David Hughes durch. Es waren Vorläufer der Fernschreibmaschinen, die ab 1860 eingesetzt wurden und bis 1930 im Einsatz blieben. In Europa und Amerika wurden in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts kontinentale Telegraphennetze über staatliche Grenzen hinweg aufgebaut. Bereits ab 1858 wurde ein Seekabel ausgebracht, das jedoch nur wenige Wochen in Betrieb war. Erst 1869 konnte ein transatlantisches Kabel Europa und Amerika dauerhaft verbinden und 1869 eine Telegraphenlinie von London nach Kalkutta in Indien geführt werde. Ein erdumspannendes Kommunikationsnetz nahm damit seinen Anfang.

Der Telegraph wurde zu einem festen Kommunikationselement in Politik und Wirtschaft: Börsen-, Handels-, und Zeitungsnachrichten bedienten sich der schnellen und sicheren Informationsübermittlung. Das steigende Telegrammaufkommen erforderte eine wirtschaftlichere Ausnutzung des Telegraphennetzes: Emil Baudot entwickelte 1880 für seinen Synchrontelegraphen das auch heute noch im Prinzip verwendete 5er-Code-Alphabet (CCITT Alphabet Nr.2, Heute ITU Alphabet Nr.2 genannt). Von der Firma Mokrum-Kleinschmidt & Co. In Chicago wurde ein Start-Stop verfahren zum Synchronisieren des Senders mit dem Empfänger für jedes einzelne Zeichen entwickelt. Da dieses Verfahren wesentlich zuverlässiger arbeitete als die Synchrontelegraphen, wurde es international genormt (ITU Recommendment S). Geräte unterschiedlicher Fabrikate konnten nun zusammenarbeiten und waren untereinander kompatibel geworden. Die Basis des internationalen Fernschreibverkehrs begann. Ab 1933 wurde in Deutschland der Telexdienst mit der Selbstwahl von Fernschreibmaschinen eingeführt. Heute befinden sich ca. 2 Millionen Fernschreiber in 200 Ländern am internationalen Telexnetz und sind durch Selbstwahl erreichbar.

Die Bildtelegraphie begann 1847 mit einer Apparatur von Bakewell, die eine Vorlage aus Stanniol (Silberpapier), mit einem aus nichtleitender Farbe gezeichneten Bild auf einem Zylinder angebracht, linienweise abtastete und diese Signale zu einem Empfänger sendete, der ein elektrolytisch vorpräpariertes Papier auf einem drehenden Zylinder mit einer Gerberspritze berührte. Das Signal 'leitend' verfärbte das Papier, das Signal 'nichtleitend' ließ es im Originalzustand. So wurde das Bild linienweise übertragen.

Verschiedene Entwicklungen vervollkommnten die Technik der Faksimilegeräte, ihren Durchbruch erreichten sie erst als Fernkopierer im Telefaxdienst der Fernsprechnetze seit 1979.

Die Individualkommunikation begann 1876 mit der Patentanmeldung des Fernsprechers durch Alexander Graham Bell. Eine Ironie des Schicksals: Am 14.Februar 1876 nur zwei Stunden später als Bell meldete Elisha Gray ebenfalls einen Fernsprecher zum Patent an. Beide Erfindungen gingen Arbeiten voraus, die sich mit der Umwandlung von Schallwellen in elektrische Signale, sowie von elektrischen Signalen wieder in Schallwellen auseinander setzten. Hier sind besonders Page (1837), Bourseul (1854) und Johann Philipp Reis (1861) als Wegbereiter des Fernsprechens zu nennen. Im Oktober 1877 gelangte die Information über den Bell-Fernsprecher in der Veröffentlichung nach Europa. Tage später standen zwei Bell-Fernsprecher zur Verfügung, mit denen Versuche über eine 26 km lange Telegraphenleitung vom Generalpostamt Berlin nach Potsdam durchgeführt wurden. Bereits einen Monat später wurde im Amtsblatt der 'Deutschen Reichspost- und Telegraphenverwaltung' durch den Generalpostmeister Heinrich Stephan eine Verfügung erlassen, die die Verwendung des Fernsprechers im Verkehrsdienst des Reiches anweist. Die Firma Siemens & Halske fertigte den Bell-Apparat für fünf Mark das Stück in Deutschland, da Bell in Deutschland kein Patent für seine Erfindung erworben hatte. Die Erfahrungen mit dem 'Telephonieren' waren so positiv, dass sich diese Erfindung sehr schnell verbreitete. In Amerika wurde am 25.November 1877 die erste handvermittelte Ortsfernsprechanlage in New Haven eröffnet. Bereits zwei Jahre später waren fast in allen größeren Städten Fernsprechnetze entstanden. In England entstand 1879 die erste Ortsfernsprechanlage, die sich rasch weiterentwickelte. Während in Amerika und in England private Fernsprechgesellschaften den Aufbau und den Betrieb von Ortsfernsprechanlagen durchführten, wurde in Deutschland das Gesetz, dass den telegraphischen Verkehr zum Reichsmonopol machte, auch auf den Fernsprechbetrieb sinngemäß angewandt.

Die Fernsprechteilnehmer waren sternförmig an einer Zentrale angeschlossen. Anfangs hatte jeder Fernsprechapparat eine eigene Batterie (Ortsbatterie) zur Speisung des Mikrophons und einen Kurbelindikator zur Erzeugung einer Rufwechselspannung. Betätigte ein Fernsprechteilnehmer den Kurbelindikator, so wurde die Zentrale gerufen. Die erzeugte Rufwechselspannung löste in der Zentrale durch einen Magneten eine 'Anrufklappe' aus, die dem Vermittlungspersonal einen Abfragestöpsel aus, die dem Vermittlungspersonal den Anruf dieses Teilnehmers anzeigte. Hierauf führte das Vermittlungspersonal einen Abfragestöpsel in die zu diesem Teilnehmer gehörende Klinke ein und verband sein Ferngespräch mit dem zu rufenden Teilnehmer. Ein Vermittlungswunsch zu einem anderen Teilnehmer des Ortsnetzes wurde durch eine Leitung in der Zentrale hergestellt, deren Stöpsel in die Klinke des ersten und deren andere in die Klinke des gewünschten Teilnehmers gesteckt wurde. Das Vermittlungspersonal musste nun nur noch die Anrufklappe in die Ruhehalterung zurückstellen. Beide Teilnehmer waren damit verbunden und der Vermittlungsauftrag beendet. Da der zweite Teilnehmer von seinen Glück, einen Anruf erhalten zu haben, noch nichts erfahren hatte, musste der rufende Teilnehmer nochmals den Induktor betätigen, um den Wecker des gerufenen Teilnehmers ertönen zu lassen. Die Anrufklappen des rufenden und gerufenen Teilnehmers in der Zentrale wurden in diesem Fall nicht ausgelöst, da der Stöpsel der Verbindungsleitung die Anrufeinrichtung von den Teilnehmern mechanisch trennte. Eine Überwachung, ob die Gespräche zustande kamen, und wann sie endeten, war nicht möglich. Da die Kosten und die Wartung der Ortsbatterien zu teuer kann, wurde eine zentrale Batterie in der Vermittlung eingesetzt und das Prinzip der Ortsbatterie abgelöst. In den Großstädten wurden Vermittlungsämter mit 10000 Teilnehmern und 50 Vermittlungsplätzen installiert. Etwa 150000 Verbindungen wurden täglich geschaltet.

Bereits 1879 wurde von den Amerikanern Conolly und McTighe ein Patent für eine selbsttätige Vermittlungseinrichtung erworben. Doch erst die Erfindung von Almon B. Strowger brachte den technischen Durchbruch zur automatischen Vermittlungseinrichtung. Weiterentwicklungen von Strowger und seinem Sohn, sowie den Fernsprechtechnikern Keith und Ericsson, vervollkommneten den 'Strowger-Wähler'. Das erste Amt wurde 1892 in La Porte im Staate Indiana in Betrieb genommen. Der Nummernschalter, auch Wählscheibe genannt, wurde 1896 von Ericsson entwickelt. Er ermöglichte dem Teilnehmer, einen Wähler durch Stromunterbrechung direkt zu steuern. Damit war der Teilnehmer von einer Vermittlungsperson in seinem Ortbereich unabhängig. Bis zur Einführung der Tastenwahl und der elektronischen Bauelemente in den Jahren 1960-1970 blieben die Fernsprechgeräte in Prinzip unverändert.

Außer dem Strowger-Wähler gab es nachfolgend weitere Wählerprinzipien und Koppeleinrichtungen. Bedeutung erlangte der Hebdrehwähler (1920), der Crossbarschalter (1919) und der Edelmetall-Motor-Drehwähler (1956), bis ab 1960 elektronische Koppeleinrichtungen elektromechanische Wähler ablösten. In Europa wurde am 10.Juli 1908 die erste automatische Vermittlungsstelle mit 900 Teilnehmern in Hildesheim in Betrieb genommen. Während man im Ortsbereich bereits freizügig wählen konnte, wurden unterschiedliche Ortsbereiche noch handvermittelt verbunden. 1923 wurde die erste automatische Netzgruppe mit verdeckter Nummerierung und Zeitzonenzähler in Weilheim in Betrieb genommen. Damit nahm die Entwicklung eines Fernwählsystems seine Anfang, das 1927 einen quasi-Standard erreichte. Die Teilnehmerselbstwahl wurde im Ortsnetz der Bundesrepublik im Jahre 1966 vollständig erreicht. Bereits 1972 war auch der Selbstwählferndienst hundertprozentig, mit offenen einheitlichen Kennzahlen und Verkehrsausscheidungsziffern '0' im Inland und '00' für das Ausland, erreicht und die internationale Fernwahlmöglichkeit weitgehend automatisiert.

Das elektronische Zeitalter begann mit der Entwicklung des Transistors 1947 durch John Bardeen, Walter H. Bratthain und William Shockley. Im Jahre 1965 wurde das erste rechnergesteuerte Ortsvermittlungssystem No. 1 ESS (Electronic Switching System) in den USA vorgestellt. Das erste vollelektronische Vermittlungssystem mit Zeitmultiplexdurchschaltung in Pulsamplitudenmodulation war das System No. 101 ESS, mit dem System No. 4 ESS folgte 1975 das erste rechnergesteuerte Fernvermittlungssystem mit pulscodemodulierten-Zeitmultiplexdurchschaltung folgte. In Deutschland wurde das rechnergesteuerte Ortsvermittlungssystem EWS 1 (Elektronisches Wählsystem) aufgebaut.

Nachfolgend wurden das System EWSA (Elektronischen Wählsystem Analog) und 1985 das derzeit verwendete System, für die Orts- und Fernebene, EWSD (Elektronischen Wählsystem Digital) von der Firma Siemens AG, sowie das System Alcatel 1000 S12 von der Firma Alcatel SEL errichtet. Damit wurde das digitale 64 kbit/s-Netz ISDN (Integrated Services Digital Network) eingeführt, das seit 1989 in den Regelbetrieb gegangen ist.

Aus dem Telegraphennetz der Anfangszeit der Nachrichtentechnik wurde das Telexnetz (Fernschreibenetz). Da dieses Netz mit einer Übertragungsgeschwindigkeit von 50 bit/s zunehmend nicht mehr den technischen Gegebenheiten entsprach, wurden schnellere Netze für schnellere Endgeräte, wie zum Beispiel für Computer, geschaffen. Ab 1976 entstand das Integrierte Text- und Datennetz (IDN) mit wählbaren Übertragungsgeschwindigkeiten von 50-9600 bit/s und 48000 bit/s. Im IDN wurden der Telexverkehr und der Teletexdienst ab 1981 gemeinsam betrieben. Weitere Netze wie das leitungsvermittelnde Datennetz (DATEL-L) und das paketvermittelte Datennetz (DATEX-P) folgten als Dienste.

Die optische Nachrichtentechnik begann 1958 erneut mit der Entwicklung des Bauelements Laser (Light Amplification by Stimulated Emission of Radiation) durch Arthur Schawlow und Charles H. Townes. 1960 erstellte Theodor H. Maiman den ersten funktionierenden Laser zur Erzeugung und Verstärkung von stark gebündelter monochromatischer und kohärenter Lichtstrahlung. Nun musste nur noch das geeignete Übertragungsmedium entwickelt werden. Die Glasfaser war seit etwa1955 als Lichtleiter bekannt. Es brauchte jedoch bis 1976, um dämpfungsarme Glasfasern herzustellen und die entsprechenden Techniken für Steck- und Spleissverbindungen als Serienprodukte einzuführen. 1977 errichtete die Deutsche Bundespost in Berlin die erste Lichtwellenleiterstrecke. Im Februar 1989 wurde der Selbstwähldienst für Videokonferenzsysteme im Glasfasernetz mit einer Übertragungsgeschwindigkeit von 140 Mbit/s in Betrieb genommen. Am 20.10.1989 ging weltweit in Berlin die erste Breitbandvermittlungsstelle in ATM-Technik in den Betrieb. Das in Berlin in Betrieb genommene Vermittlungssystem diente der Entwicklung von Anwendungen, Diensten und Endsystemen des Beitband-ISDN.

 

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 Vielen Dank an   Roland   ww.2cool4u.ch   , der  Texte und Bilder zur Verfügung gestellt hat !


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