Richtfunktechnik
Aufgabenstellung für den
Richtfunk
Die Aufgabe des Richtfunks besteht darin, eine
Nachrichtenverbindung zwischen zwei verschiedenen Orten herzustellen. Das in analoger
oder digitaler Form vorliegende Nachrichtensignal wird einer Trägerfrequenz
aufmoduliert und über eine Funkverbindung übertragen. Im Normalfall ist
eine quasioptische Sicht zwischen Sende- und Empfangsantennen erforderlich. Je nach
Entfernung der Endpunkte einer Richtfunkverbindung wird das Nachrichtensignal über
mehrere Funkfelder übertragen (Bild.1).

Bild.1
Da im Falle der Sichtverbindung
das abgestrahlte Funksignal möglichst nur die Gegenstelle erreichen soll, um Störungen
anderer Richtfunkverbindungen zu verhindern, ist eine starke Bündelung des Funkstrahls
mit Hilfe einer Richtantenne erforderlich. Je größer die Fläche und je
höher die Frequenz einer solchen Antenne ist, desto stärker ist die Bündelung des
Funkstrahls.
Der Richtfunk ist ein gleichberechtigtes Übertragungsmedium neben der leitergebundenen
Übertragungstechnik auf Kupfer- und Glasfaserkabel und dem Satellitenfunk. Dies bedeutet,
dass er in der Lage sein muss, die angebotenen unterschiedlichen Signalarten wie analoge
Fernsprech-, Daten-, Ton- und Fernsehsignale sowie Digitalsignale in einer Art und Weise
zu übertragen, die dem Kunden bzw. dem Teilnehmer am Fernmeldeverkehr die von ihm
erwartete Dienstgüte bietet. Diese Dienstgüte muss weitgehend unabhängig
davon sein, über welche Übertragungswege gerade sein Nachrichtenverkehr abgewickelt
wird. Der Richtfunk als Übertragungsmedium hat deshalb alle Anforderungen, die allgemein
für Übertragungswege gelten, einzuhalten.
Aus Gründen der Netzsicherheit, bzw. der Sicherheit einer
unterbruchsfreien Verbindung, werden im Allgemeinen Fernmeldezentren über mehrere
geographisch und/oder anlagengetrennte Übertragungswege miteinander verbunden. Die
Sicherheit lässt sich noch steigern, wenn diese Mehrwegführung zu einer Mehrmedienführung,
z.B. ein Weg über Kabel und ein Weg über Richtfunk, ergänzt wird.
Der Richtfunk kann außerdem für sich beanspruchen, sehr flexibel zu sein. Bei einer
vorhandenen Infrastruktur von Funkübertragungsstellen lassen sich schneller neue
Richtfunksysteme installieren, als Bauvorhaben mit Kabelverlegungen durchgeführt werden
können. Im Bedarfsfalle ist auch eine Verlegung von technischen Einrichtungen in andere
Funkübertragungsstellen schnell und problemlos möglich.
Übertragungsqualität
und Verfügbarkeit
Die Verfügbarkeit eines Systems ist
definiert, als die Wahrscheinlichkeit, dieses System zu einem bestimmten
Beobachtungszeitpunkt in ordnungsgemäßer Funktionsfähigkeit vorzufinden.
Auf die Höhe der Verfügbarkeit haben bei Richtfunkverbindungen vier Faktoren einen
wesentlichen Einfluss :
- Gerätezuverlässigkeit
- Geräteredundanz
- Entstörungszeit
- Ausbreitungseffekte
Die Gerätezuverlässigkeit ist definiert als durch die Anzahl der
Ausfälle einer Gerätegruppe einem bestimmten Zeitraum (meist 1 Jahr).
Die Geräteredundanz ist definiert als das Vorhandensein von
Ersatzgeräten auf die im Störungsfalle umgeschaltet werden kann.
Die Entstörzeit ist definiert als die Dauer bis eine Verbindung bzw. ein
Gerät nach dem Störungsfall wieder läuft.
Die Ausbreitungseffekte sind definiert als
äußere Einflüsse, die die
Verbindung beeinträchtigen können. Z.B. Niederschlag und sonstige Wetter- und/oder
Ausbreitungsbedingungen.
Zwischen den ersten drei Faktoren besteht ein gewisser Zusammenhang, d.h. man kann zur
Einhaltung gewisser Verfügbarkeit eine mangelnde Gerätezuverlässigkeit durch
Geräteredundanz und/oder kurze Entstörungszeiten wieder ausgleichen. Der vierte Faktor
ist dagegen weitgehend unabhängig von den anderen zu betrachten.
Wegen der Ausbreitungseinflüsse ist es für die Richtfunksysteme trotz
vieler technischer und planerischen Maßnahmen praktisch unmöglich, vorgegebene
Qualitätseigenschaften in 100% der Zeit einzuhalten. In kleinen Zeitprozentsätzen
müssen Ausfälle oder Minderung des zu übertragenden Signals in Kauf genommen werden.
Mikrowellen
Was sind Mikrowellen
Als Mikrowellen bezeichnet man elektromagnetische
Schwingungen mit Wellenlängen zw. 10-1 cm, d.h. mit Frequenzen 3-30 GHz.
Sie bilden innerhalb
des Spektrums der elektromagnetischen Wellen die Brücke zwischen den eigentlichen
Radiowellen (siehe Wellenausbreitung) und der Infrarotstrahlung.
Die Hauptanwendungsgebiete der Mikrowellentechnik
sind :
- Nachrichtenübertragung
- Funkmesstechnik (Radar, Entfernungsmesser, Höhenmesser)
- dielektrische Erwärmung (Kochen, Industrie, medizinische Zwecke)
- Kernphysik, Spektroskopie, Radioastronomie
Die Mikrowellen haben ein ähnliches Verhalten wie die
Lichtwellen, d.h. sie breiten
sich annähernd geradlinig aus, sie lassen sich bündeln, sie werden gestreut und
reflektiert.
Zur Führung der Mikrowellen, zum Beispiel vom Sender bis zur Antenne oder von der
Antenne bis zum Empfänger, werden meistens sogenannte Hohlleiter verwendet.
Allgemeines zu
Mikrowellen und ihrer Ausbreitung
Auch bei ungehinderter freier Ausbreitung in der Luft
werden Funkwellen gedämpft (siehe auch Wellenausbreitung). Es handelt sich hierbei
allerdings nicht um eine echte Dämpfung, wie sie ein Signal zum Beispiel in einem Kabel
erfährt ; es stellt sich vielmehr ein Leistungsverlust des Empfangssignals dadurch ein,
dass nur ein Teil der abgestrahlten Sendeenergie von der Empfangsantenne wieder
aufgenommen werden kann. Ein Maß hierfür ist die sogenannte Grundübertragungsdämpfung,
die man sich folgendermaßen vorstellen muss :
Die Dämpfung des Signals in der Luft nimmt bei einer Verdoppelung der Entfernung
(Sender --> Empfänger) lediglich jeweils um 6dB zu. Das heißt, das Signal nimmt in
seiner Stärke bei Verdoppelung der Entfernung jeweils um das vierfache ab. Es sieht also
so aus, als könnten ohne große Leistungssteigerung zunehmend größere Entfernungen
überbrückt werden. Leider lässt sich diese Möglichkeit nicht uneingeschränkt nutzten,
da bei der Ausbreitung der Mikrowellen zeitweise Anomalien auftreten können, die sowohl
die Übertragungsqualität als auch die Verfügbarkeit der Stecke beeinflussen und mit
wachsender Entfernung zunehmen. Wirken sie sich wie eine zeitlich veränderliche
Zusatzdämpfung für das Funksignal aus, spricht man von Schwund (vergl.
Wellenausbreitung). Um diesen negativen Einflüssen zu begegnen, ist es erforderlich,
entsprechende Systemreserven vorzuhalten. Im wesentlichen sind folgende
Effekte zu betrachten :
- Signalschwund durch Hindernisse auf der Erdoberfläche (Behinderung der
freien Wellenausbreitung)
- Schwund durch atmosphärische Mehrwegeausbreitung oder durch Brechung und
Defokussierung des Funkstrahls in Verbindung durch unterschiedliche Luftschichten.
(Ähnlich einer unscharfen Linse durch die Licht kommt)
- Schwund durch Reflexionsstellen an der Erdoberfläche (Spitze von Bergen, Häusern o.ä.)
- Dämpfung durch atmosphärische Gase
- Dämpfung durch Niederschlag
Häufigkeit und Auswirkung der einzelnen Phänomene sind unterschiedlich je nach
Frequenzbereich, in dem das Richtfunksystem betrieben wird, und geographischer Zone.
In Bereichen oberhalb 12 GHz gewinnt der Niederschlag an Bedeutung und
bestimmt die Länge des Funkfeldes (der Richtfunkstrecke) aufgrund der Kriterien die für
die Qualität gelten.
Die Problematik der Mehrwegeausbreitung nimmt umso stärker ab, je kürzer die
Verbindung ist.
Die Mehrwegeausbreitung (Bild.2) ist hingegen bei Systemen unterhalb 8 GHz von
besonderer Bedeutung.
Zwischen den beiden Bereichen ist eine sogenannte Übergangszone in der mal der eine,
mal der andere Effekt überwiegt.

Bild.2
Aufbau von Richtfunksystemen
Systemaufbau
In einem Richtfunksystem können im allgemeinen mehrere
Richtfunk-Signale mit Hilfe einer Kanalweiche zusammengefasst und über eine gemeinsame
Antenne abgestrahlt werden. Ein einziges System ist also in der Lage, mehrere
Richtfunkkanäle und damit mehrere Übertragungswege gleichzeitig zwischen zwei Endpunkten
zur Verfügung zu stellen. Am Empfangsort werden die Signale von der Antenne, die in der
Regel sowohl Sende- als auch Empfangsantenne ist, aufgenommen und über eine Weichenkette
auf die zugehörigen Empfangseinrichtungen aufgeteilt. In den Demodulatoren werden dann
die Ursprünglichen Nachrichtensignale wieder zurückgewonnen (siehe Bild.3). Die
Richtfunksignale werden in zwei Ebenen mit Hilfe einer Polarisationsweiche
polarisiert (vertikal und/oder horizontal). Je nach Ausbau des Systems mit
Kanälen ist es dabei möglich, entweder nur die sendeseitige und die empfangsseitige
Kanalweichenkette getrennt über zwei Hohlleiter auf die beiden Eingänge
der Polarisationsweiche zu schalten, oder aber senderseitige und empfangsseitige
Kanalweichenketten über einen Antennenzirkulator gemeinsam über einen
Hohlleiter auf die gleiche Polarisationsebene zu führen. In letzteren Fall könnte die
zweite polarisationsebene für ein weiteres Paar von Kanalweichenketten
genutzt werden.

Bild.3
Richtfunkverbindungen
Eine Richtfunkverbindung kann aus der Hintereinanderschaltung
mehrerer Richtfunkfelder, also einzelner Strecken bestehen (Bild.4). Man
bezeichnet dies als eine sogenannte Grundleitung. Eine Grundleitung ist
definiert als ein Übertragungsweg, der die Übertragung eines Signals von der Stelle wo
es gebildet wird, bis zu der Stelle, wo es wieder aufgelöst wird, ohne Änderung seiner
Zusammensetzung ermöglicht.
Umlenkanordnungen
Beim Aufbau von Richtfunkverbindungen ist es nicht immer
möglich, zwischen den Endstellen Aufstellungsorte zu finden, zwischen denen optische
Sicht besteht. Wo dies nicht gegeben ist, kann die Übertragung statt über eine dritte
(aktive) Funkübertragungsstelle (siehe Bild.5) eventuell auch mit Hilfe eines passiven
Relais (Abb. a & b), z.B. einer ebenen Metallplatte ausreichender
Größe,
durchgeführt werden. Die ist der Fall, wenn eine Richtfunkverbindung über hügeliges
Gelände führt und eine Funkübertragungsstelle abgeschattet in einem Talkessel aufgebaut
werden muss. Im allgemeinen betragt die Entfernung zwischen einem Umlenkspiegel und der
nahegelegenen Endstelle einige hundert Meter.
Abb. a & b

Die Wirkfläche eines Umlenkspiegels wird von seiner geometrischen
Größe bestimmt,
das heißt je größer der Spiegel, um so kleiner die Umlenkdämpfung, also der
Signalverlust.
Die Form eines Umlenkspiegels hat bei gleichbleibender Fläche lediglich Einfluss auf
seine Richtcharakteristik.
Umlenkspiegel haben normalerweise eine Fläche von 1.4 m2 bis 32 m2.
Ab 16 m2 sind die Spiegel in Teile gegliedert, die durch Dehnfugen voneinander
getrennt sind. Damit können die meisten Klimabedingungen gut eingehalten werden.
Ersatzschaltungskonzepte
Um die geforderte Übertragungsqualität
und Verfügbarkeit sicherzustellen, haben Richtfunkverbindungen des Netzes
in der Regel einen Ersatz- oder Schutzkanal sowie in gewissem Umfang ev.
auch eine Geräteersatzschaltung. Während die Geräteersatzschaltung, z.B.
eine Doppelung wichtiger Systemteile mit automatischer Umschaltung (hot
standby), nur die Systemzuverlässigkeit und damit die Verfügbarkeit des
Übertragungsweges verbessern kann, steigert eine Ersatzkanaltechnik zusätzlich
gegebenenfalls auch die Übertragungsqualität. Nicht nur bei Gerätefehlern, sondern auch
bei ausbreitungsbedingten kurzzeitigen Pegeleinbrüchen oder
Geräuschanstiegen in einem
Richtfunkkanal wird auf den Ersatzkanal automatisch umgeschaltet. Da die Störungen durch
Mehrwegeschwung nicht gleichzeitig alle RF-Kanäle eines Systems im gleichen Masse
beeinflussen, genügt es meist, anstelle jeden Kanal zu doppeln (1+1 Ersatzschaltung), nur
einen oder zwei Ersatzkanäle für mehrere (n) Richtfunkkanäle vorzusehen (n+1
beziehungsweise n+2-Ersatzschaltung). Um unterschiedliche Signalarten (TV od.
Telefonie)
ersatzschalten zu können, hat es sich als zweckmäßig erwiesen, die Schaltungen in der
sogenannten Zwischenfrequenzebene durchzuführen. Das Bild.6 zeigt ein
Beispiel für eine 2+1 Ersatzkanaltechnik mit der Umschaltung in der Zwischenfrequenzebene
(ZF-Ebene). Zwischen den Schaltstellen A und B bzw. B und C verläuft die
Richtfunkverbindung jeweils über mehrere Funkfelder.
Bild.6

Equipment
Richtstrahlantennen
Die Richtfunktechnik bedient sich des freien Raumes als Übertragungsmittel. Dabei ist
es die Aufgabe der Sendeantenne, die vom Richtfunksendern abgegebene elektromagnetische
Energie - die Leitungswelle - in eine Raumwelle umzuwandeln, das
heißt in den freien Raum abzustrahlen und dabei zu bündeln. Die Empfangsantenne nimmt
einen Bruchteil der ausgesandten Strahlungsleistung der elektromagnetischen Raumwelle auf
und wandelt sie zurück in eine Leitungswelle, die über eine Antennenleitung
(meist Holleiter) an den Richtfunkempfänger abgegeben wird.
Die ausgestrahlte Energie muss so scharf gebündelt sein, dass die im Richtfunk
kostengünstigen kleinen Sendeleistungen ausreichen. Außerdem sollen die außerhalb
des scheinwerferartigen
gebündelten Hauptstrahles ausgesandten und empfangenen Energienanteile möglichst klein
sein, damit die dem Richtfunk zugewiesenen Frequenzen in einem eng vermaschten
Nachrichtennetz in verhältnismäßig geringen räumlichen Abständen wiederholt
ausgenutzt werden können.
Für Richtfunkantennen typisch ist ihre gleichzeitige Mehrfachausnutzung
durch mehrere Sender und Empfänger über Kanalweichenketten (siehe auch Bild.3 Kapitel
Aufbau von Richtfunksystemen). Das heißt, dass über eine Antenne gleichzeitig mehrere
(verschieden polarisierte) Signale sowohl gesendet, als auch empfangen werden können. Die
vorstehenden Möglichkeiten der Mehrfachausnutzung erhöht die Wirtschaftlichkeit und
ermöglichen eine sparsamere Nutzung der Stellplätze auf Antennenträgern. Durch den
Einsatz von sogenannten Mehrbandantennen, also Antennen die verschiedene
Frequenzbereich abstrahlen können, kann die Platzausnutzung weiter gesteigert werden. Aus
der Vielfalt der für die funktechnischen Spezialgebiete entwickelten Antennentypen werden
in der Richtfunktechnik im Frequenzbereich oberhalb 1 GHz vorwiegend Parabol-,
Muschel-, und (allerdings nunmehr auslaufend) Hornparabolantennen
eingesetzt. Hierbei handelt es sich um sogenannte Flächenstrahler, bei denen die Energie
nach den Gesetzen der Optik gebündelt wird. Die Fläche, durch die die Strahlung
gebündelt austritt wird Apertur und ein Flächenstrahler deshalb auch Aperturstrahler
genannt. Weil die Energie durch den parabolisch geformte Hohlspiegel gebündelt wird, ist
auch der Ausdruck Spiegelantenne gebräuchlich.
Im Allgemeinen gilt folgendes : Mit zunehmender Frequenz des zu abstrahlenden Signals
können kleinere Richtfunkantennen eingesetzt werden. Dabei steigen auch die Anforderungen
an die Genauigkeit in der Produktion und bei der Montage der Antennen. Wie wir aus den
Kapitel 1 (Übertragungsqualität und Verfügbarkeit) wissen, nimmt mit zunehmender
Frequenz aber auch der dämpfende und störende Einfluss durch Niederschlag zu. In
unmittelbarer Nähe des Strahlers wirken sich Regen und Schnee besonders stark aus.
Deshalb wird die Apertur, abhängig natürlich vom Einsatzstandort und den
Einsatzbedingungen, häufig mit Material abgedeckt. Solche Abdeckungen werden oft Radom
genannt. Kleine Antennen bis 60 cm Durchmesser können auch zusammen mit einem
Wetterschutzgehäuse eine kompakte Einheit für den Außeneinsatz bilden. Die Verluste
durch die Abdeckungen sind vernachlässigbar klein.
Begriffe
Die Strahlungsleistung wird von Richtstahlantennen nicht
gleichmäßig kugelförmig (isotrop) in den Raum abgegeben. Es gibt bevorzugte Richtungen,
die Haupt- und Nebenkeulen und solche, in denen wenig Energie abgestrahlt
wird, die sog. Nullstellen. Diese Eigenschaft der Antennen wird durch den Antennengewinn
ausgedrückt.
Die Wirkfläche einer Antenne, auch Absorptionsfläche genannt, ist im
Empfangsfall die zur Ausbreitungsrichtung senkrechte Fläche, durch die bei einer
einfallenden Welle die maximale Empfangsleistung durch die Antenne hindurchtreten würde.
Umgekehrt ist im Sendefall die Wirkfläche die gedachte, strahlende Fläche, deren
Strahlstärke in Hauptstrahlrichtung gleich der Strahlstärke der Sendeantenne im
Strahlungsmaximum des Funkfeldes bei gleicher Strahlungsleistung ist. Je größer
die
Wirkfläche einer Richtantenne ist, desto größer ist ihr Gewinn, also desto mehr Energie
kann sie aufnehmen.
Die Richtcharakteristik beschreibt die Verteilung der von einer Antenne abgestrahlten
Energie im Raume. Ein Richtdiagramm ist die zeichnerische Darstellung eines
Schnittes durch die Richtcharakteristik. Im allgemeinen werden Richtdiagramme in einem
logarithmischen Maßstab mit dB-Werten dargestellt. Die Winkel können bei
der Darstellung entweder anschaulich in einem Bogen eines Kreisdiagramms oder mittels
eines rechtwinkligen Koordinationssystems aufgetragen werden (siehe Bild.7 & Bild.8).
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Bild.7
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Bild.8 |
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Zur Bestimmung des Horizontal- und
des Vertikaldiagramms werden durch die Richtcharakteristik einer Antenne
zwei senkrecht aufeinander stehende Schnitte gelegt.
Dabei ist das Horizontaldiagramm die zeichnerische Darstellung der Feldstärke oder Feldstärkekomponenten
in der horizontalen Ebene, das Vertikaldiagramm die entsprechende Darstellung in der
vertikalen Ebene senkrecht zur Erdoberfläche.
Richtstrahlantennen haben ein keulenförmiges Richtdiagramm, das in die
Hauptstrahlrichtung zeigt. Der Winkel zwischen der Richtung des Maximums der Strahlung und
der Richtung, in der die Dichte der Strahlung auf die Hälfte der Feldstärke zurückgeht
ist als Halbwertswinkel bezeichnet. Der Winkelbereich, innerhalb dessen die
Strahlungsdichte auf nicht weniger als die Hälfte des Maximums absinkt, wird Halbwertsbreite
oder 3 dB-Breite genannt. Dezibel bezeichnet das Verhältnis zwischen zwei
gemessenen Zuständen. In diesem Fall das Verhältnis der ausgestrahlten Leistung zu dem
Verhältnis der gemessenen Leistung an einem bestimmten Punkt. Bei 3 dB ist die gemessene
Leistung die Hälfte der ausgestrahlten Leistung.
Die Winkeldämpfung gibt die Abnahme der Strahlungsenergie in einem
bestimmten Winkel zur Hauptstrahlungsrichtung an.
Keine Richtstrahlantenne besitzt eine ideale Richtwirkung. Ein Teil der Energie wird
immer seitlich der Hauptkeule und nach rückwärts abgestrahlt, d.h. es treten
unerwünschte Nebenkeulen oder Nebenzipfel auf, die durch Nullstellen untereinander von
der Hauptkeule abgegrenzt sind.
Das Verhältnis der Strahlungsdichte in Hauptstrahlrichtung zu der entgegengesetzten
Richtung wird Vor-Rückverhältnis genannt (vergleiche auch Kapitel
Kenngrößen von Richtantennen).
Die Nullwertsbreite ist der Winkelbereich zwischen den ersten Nullstellen
zu beiden Seiten der Hauptkeule. Die Richtungen des Strahlungsmaximums und der ersten
Nullstelle schließen den Nullwertswinkel ein. Auf der nächsten Seite sind
aus den Diagramm deutlich die vorher aufgezählten Größen ersichtlich (Bild.9).

Bild.9
Leistungsgrößen
Um Streckendämpfungen zwischen dem
Funksender und dem Funkempfänger zu überwinden, muss die Antenne eine bestimmte
Strahlungsleistung aufbringen. Diese Leistung addiert sich aus der Sendeleistung des
Senders und dem Antennengewinn, vermindert um die Antennenleitungsverluste,
also die Verluste die im Hohlleiter auftreten. Die Strahlungsleistung ist die Gesamte von
der Antenne in den Raum abgestrahlte Leistung.
Beim Durchgang eines aus vielen Signalen bestehenden breitbandigen Frequenzgemisches
durch eine Antennenanlage entstehen unerwünschte Signalprodukte, deren Frequenzen alle
möglichen Summen und Differenzen aus den im Eingangssignal enthaltenen Frequenzen und
ihren Oberwellen sind. Diese Schwingungen nennt man Intermodulationsprodukte,
die die Qualität des zu übertragenden Signals vermindern. Sie treten meist erst nach
jahrelangen Einsatz einer Anlage auf. Darum ist ihre Ermittlung so schwierig. Der beste
Schutz dagegen ist die möglichst weitgehende Vermeidung von Kontaktstellen im
Leitungszug.
Elektrische
Anforderungen
Die elektrischen Eigenschaften wie die Frequenzbandbreite,
die Güte und die Entkopplung müssen im wesentlichen auf das
zu übertragende Richtfunksystem abgestimmt sein und auch die Einsatzbedingungen im Netz
berücksichtigen. Die geplante Häufigkeit und der räumliche Abstand der
Funkübertragungsstellen und hier besonders die vorgesehene Breite zwischen benachbarten
Abstrahleinrichtungen sowie das vorgesehene Einsatzgebiet mit seinen klimatischen
Bedingungen bestimmen die weiteren elektrischen Anforderungen an die Richtcharakteristik
und den Gewinn sowie die Entscheidung über einen Einsatz von Radomen.
Mechanische
Leistungsgrößen
Nicht weniger wichtig sind bei Richtstrahlantennen die
konstruktiven und mechanischen Eigenschaften. Diese Anforderungen werden beeinflusst von
den klimatischen Verhältnissen in örtlichen Einsatzgebiet, der geforderten Brauchbarkeitsdauer
und dem Antennenträger.
Richtfunkantennen müssen in Freien an exponierten Stellen auf Türmen, hohen Gebäuden
oder Bergstationen aufgestellt werden. Deshalb sind Antennen und deren
Befestigungseinrichtungen meist für maximale Windgeschwindigkeiten von 210 km/h
ausgelegt. Außerdem muss mit einer Zusatzlast durch allseitige Vereisung von 25 mm Dicke
gerechnet werden. Bei diesen Belastungen dürfen die zugelassenen mechanischen
Spannungen
nicht überschritten werden.
Die Antennenanlage muss mindesten so bemessen sein, dass bei 130 km/h
Windgeschwindigkeit nicht mehr als ein Drittel der jeweiligen Halbwertsbreite aus der
Hauptstrahlrichtung abgelenkt wird. Die Halbwertsbreiten betragen je nach Antennengröße
oder Antennenart sowie Frequenzbereich zwischen 0.7° und 5°.
Antennenarten
Im Allgemeinen werden über 600 MHz
Antennen verwendet, die eine parabolische Reflektoroberfläche besitzen.
Nachfolgend sind die verschienenen Konstruktionstypen sichtbar :
Die Parabolantenne besteht aus einem
rotationssymmetrischen parabolischen Reflektor, in dessen Brennpunkt sich der Erreger befindet. Eine auf die
Antennenöffnung senkrecht auftreffende Wellenfront wird so in den Brennpunkt reflektiert,
dass sich dort alle Strahlen Addieren. Mit der Wahl des Verhältnisses von Brennweite zu
Antennendurchmesser lassen sich Gewinn und Charakteristik einer Parabolantenne auf die
Anforderungen abstimmen.
Der Reflektor einer Muschelantenne besteht aus einem exzentrischen Parabolausschnitt,
der von einem schräg nach oben gerichteten Erregersystem angestrahlt wird. Mit der
Neigung des Anstrahlwinkels lässt sich die Ausleuchtung der Kalotte
und damit das Richtdiagramm beeinflussen. Vorgezogene metallische Seitenwände bewirken
eine Verbesserung des horizontalen Richtdiagramms und ermöglichen die Apertur faltenfrei
einzuspannen. Durch weiteres Vorziehen der Seitenwände lässt sich die Winkeldämpfung
noch steigern. Muschelantennen werden überall dort in Richtfunk eingesetzt, wo
hohe Anforderungen zu erfüllen sind, da sie gegenüber der Parabolantenne kleinere
Reflexionen und eine bessere Richtcharakteristik aufweisen. Das Schnittbild einer
Muschelantenne ist in Bild.10 ersichtlich.
Bild.10
Der Reflektor einer Hornparabolantenne
besteht aus einem exzentrischen Parabolausschnitt, der von einem senkrecht
darunter angeordneten Hornstrahler ausgeleuchtet wird. Die in den Erreger eingespeiste
Welle wird bis kurz vor den Auftreffen auf den Reflektor in den langen Trichter geführt.
Diese Strahlführung und die ebenfalls vorgezogenen Seitenwände bewirken
ein günstiges Horizontaldiagramm der Hornparabolantenne und eine
Breitbandigkeit, die die
Nutzung als Mehrbandantenne erlauben.
Strahler
Um die von der Endstufe des Senders aufgebrachte Energie
abstrahlen zu können, benötigt man außer der Antenne natürlich auch einen Strahler.
Bei neueren Anlagen werden meist Ringhornstrahler eingesetzt. Damit diese
möglichst gut untergebracht werden können, sollen sie möglichst kurz sein. Ihre
Größe ist Frequenzabhängig. Je höher die zu abstrahlende Frequenz, desto kleiner können sie
gebaut werden. Die Maximalabmessungen liegen etwa bei 400 mm Durchmesser und 300 mm
Länge. Das Bild.11 zeigt einen solchen Strahler mit integrierter Polarisationsweiche.
Bild.11
Antennenweichen
Durch den Einsatz von Weichen lassen sich Antennen
mehrfach ausnutzen. Wenn das Erregersystem (Strahler) der Antenne die notwendigen
Voraussetzungen für die Entkopplung erfüllt, können die Frequenzen mit
Hilfe einer Polarisationsweiche (Trennung Vertikal- und Horizontalpolarisation) durch
Nutzung zweier Polarisationsebenen besser genutzt werden. Wenn die Breitbandigkeit des
Strahlersystems mit der Weiche hinreichend ist, können darüber hinaus zwei
Richtfunksysteme in unterschiedlichen Frequenzbereichen auf eine
Antenne geschaltet werden. Antennennahe Frequenzweichen, also Weichen die direkt bei der
Antenne platziert sind, heißen Systemweichen.
Systemweichen
Die Notwendigkeit zur wirtschaftlichen Ausnutzung knapper Antennenstellflächen
ermöglichte nach der Entwicklung ausreichend breitbandiger Erregersysteme (Strahler) die
Einführung von Systemweichen für doppeltpolarisierte Zweibandantennen.
Eine Systemweiche trennt a.) Frequenzen und b.) die Polarisation. Siehe
Bild.12.
Bild.12
Polarisationsweichen
Mit Hilfe von Polarisationsweichen lassen
sich die von einer Antenne aufgenommenen, horizontal und vertikal polarisierten Wellen
wieder aufspalten und getrennten Verbrauchern zuführen oder von mehreren Sendern
abgegebene Signale so zusammenfassen, dass sie unterschiedlich polarisiert über das
Funkfeld übertragen werden. Polarisationsantennen werden bei Analogrichtfunksystemen auch
dann benötigt, wenn Antennen gleichzeitig als Sende- und Empfangsantennen eingesetzt und
die Signale zur besseren Entkopplung unterschiedlich polarisiert übertragen werden.
Das
Zusammenspiel des Ganzen
In der nachfolgenden Zeichnung ist das Zusammenspiel des
Ganzen deutlich ersichtlich :
Hohlleiter
Ab ca. 3 GHz werden generell zwei Arten von Hohlleitern
verwendet :
Starre Hohlleiter :
Starre Hohlleiter werden vorwiegend aus hochleitfähigem Aluminiumlegierungen
hergestellt die ihnen bei geringem Gewicht eine gute Korrosionsbeständigkeit und eine
hohe mechanische Festigkeit verleihen. Die Außenhaut des Hohlleiters wird mit einem
Schutzlack überzogen. Bei vertikaler Führung muss das Hohlleitergewicht an einer Stelle
abgefangen werden. Dort, wo mechanische Spannungen nicht ausgeschlossen werden können
(z.B. Eingang Antenne oder Ausgang Sender) werden flexible Hohlleiterstücke eingefügt.
Die Typenreihe der Recheckhohlleiter ist so abgestimmt, dass für jeden
Frequenzbereich ein Hohlleiter zur Verfügung steht, der im eindeutigen
Übertragungsbereich betrieben werden kann.
Da Rundhohlleiter mit
größerer Präzision als Recheckholleiter
hergestellt werden können, werden sie, gerade geführt, auch in einem Frequenzbereich
eingesetzt in dem gleichpolarisierte Wellen übertragen werden. Allerdings wird er wegen
seiner hohen Material - und Verlegekosten nur in Ausnahmefällen verwendet.
Biegbare Hohlleiter :
Die Verlegung starrer Hohlleiter ist aufwendig und erfordert eine detaillierte
Vorplanung. Besser lassen sich biegbare Hohlleiter verlegen. Dies sind Hohlleiter mit
recheckigem oder elliptischen Querschnitt aus Aluminium oder Kupfer. Sie dienen im
Allgemeinen zur Übertragung von RF-Signalen nur einer Polarisationsrichtung.
Die Bewegung der Feldlinien bei Rechteck-,
Rund-, und Ellipsenhohlleitern ist in den nächsten drei
Abbildungen sichtbar (Bild 14, 15 & 16).
Bild.14
Bild.15
Bild.16
Drucklufteinrichtungen
Um Wassereindringen und
Kondenswasserbildung zu verhindern, werden Hohlleiter mit getrockneter Luft, die unter
leichtem Überdruck steht, gefüllt. Von einem Kompressor wird Raumluft über ein
Trocknungsmittel geführt und in die Antennenleitung bis zum Druckfenster im Strahler der
Antenne gedrückt. Der Druckabfall wird überwacht. Das Trocknungsmittel muss von Zeit zu
Zeit regeneriert werden, damit kein Wasser in der Antennenleitung (Hohlleiter)
kondensieren kann. Die Trocknung der Luft wird von einem Feinindikator angezeigt, in dem
Trockenperlen ihre Farbe von tiefblau (trocken) nach rosa (feucht) ändern. Über einen
Luftverteiler können mehrere Hohlleiterzüge und Antennen ein eine Drucklufteinrichtung
angeschlossen werden.
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