Wellenausbreitung
Einführung
Das Zustandekommen einer Funkverbindung sowie die
Qualität der Übertragung ist von der richtigen Wahl der Sendefrequenz und der
Antennenform abhängig. Wir unterscheiden grob zwischen Bodenwellenverbindungen
und Raumwellenverbindungen. Die Bodenwellenverbindung spielt beim UKW
(UltraKurzWellen) Rundfunknetz und bei Mittel- und Langwellenrundfunksendungen eine Rolle.
Interkontinentale Verbindungen mit Reichweiten von einigen hundert Kilometern sind jedoch
nur mit der Raumwelle möglich. Die Faktoren und der Mechanismus ,der diese Ausbreitung
ermöglicht und beeinflusst sind bekannt. Man kennt deshalb für Raumwellenverbindungen
eine Frequenzprognose ähnlich der Wettervorhersage ,allerdings mit den
Unterschied ,dass die Frequenzprognose sehr viel zuverlässiger ist.
Die Ausbreitung der Raumwellen werden von drei Faktoren beeinflusst : Die verschiedenen
Sonnenaktivitäten ,der Sonnenstand und dadurch bedingt die Jahres- und Tageszeiten
bestimmen ebenfalls die Frequenzbereiche ,die sich für eine Raumwellenverbindung eignen.
Deutlich wird das Ganze z.B. bei Mittelwellen- bzw. Langwellensendern. Jemand der
regelmäßig solche Sender hört ,wird merken ,dass diese am Abend besser zu empfangen
sind als unter dem Tage.
Weiter wird der Raumwellenempfang wird oft durch eine unangenehme Begleiterscheinung
gestört. Es handelt sich dabei um den Fading oder Schwund. Er
hat seine Ursache im Mehrfachempfang ,der dann auftritt ,wenn das Signal den
Empfänger auf zwei verschieden langen Ausbreitungswegen erreicht. Am Empfangsort
entstehen dabei Differenzen ,die in ungünstigsten Fall bis zur Auslöschung der
Empfangenen Signales führen können.
Zusammenfassend nennt man also die Wellen ,sie sich an der Erdoberfläche fortbewegen
Bodenwellen und alle übrigen Raumwellen.
Raum- und Bodenwellen
Die Ausbreitung der Bodenwellen und der Raumwellen ist
verschieden. (Bild.1)
Die Bodenwellen können sich im Langwellenbereich bis zu Entfernungen von 1000 km
ausbreiten. Die Verluste an der Erdoberfläche werden mit zunehmender Frequenz immer
größer. Dadurch sinken die Reichweiten der Bodenwellen im Mittelwellenbereich auf etwas
300 km und im Kurzwellenbereich auf etwa 100 km. Raumwellen breiten sich geradlinig aus.
Raumwellen müssten demnach also geradlinig den Bereich unserer Erde verlassen. In
bestimmten Frequenzbereichen kehren einige der Raumwellen wieder zur Erdoberfläche
zurück. Sie werden von leitenden Schichten in der oberen Atmosphäre in 50 km bis 300 km
Höhe wieder reflektiert (Bild.2). Die Struktur dieser Schichten wird durch die
Ultraviolette Strahlung der Sonne ionisiert dadurch leitend. Eine besonders stark
ionisierte Gasschicht trägt den Namen Heavyside-Schicht. Wie schon unter
1.1 bemerkt ,ist das Reflexionsvermögen der Heavyside-Schicht abhängig von
der Wellenlänge und der Tageszeit.

Die verschiedenen
Schichten
Die D-Schicht ist die unterste Schicht.
Sie ist nur am Tag wirksam uns wirkt absorbierend auf Signale mit Frequenzen unter einigen
Megahertz. Signale mit höheren Frequenzen durchstoßen die D-Schicht und werden von
dieser lediglich gedämpft.
Die E-Schicht liegt über der D-Schicht. Sie reflektiert die längeren
Kurzwellen. Sie ist ebenfalls nur am Tag wirksam und ihre Intensität ist von Sonnenstand
abhängig. Sie erreicht ihren höchsten Wert um die Mittagszeit.
Die F1-Schicht ist nur tagsüber
und im Sommer wirksam. Ihr Verhalten
ist ähnlich der E-Schicht ,allerdings liegen ihre Grenzfrequenzen noch etwa 50% höher.
Die F2-Schicht ist eigentlich die wichtigste Schicht. Dank ihrem
Verhalten ist ein interkontinentaler Funkverkehr über 24 Stunden möglich ,da sie auch
Nachts wirksam ist. Sie ist die unregelmäßigste Schicht. Die Grenzfrequenzen sind
abhängig von der Sonnenaktivität und von Sonnenstand.

Die Aktivität der Sonne schwankt in einem elfjährigen
Rhythmus. Dieser Rhythmus nennt
man auch Sonnenfleckenzyklus. Aus dem berechenbaren Sonnestand und der
vorhergesagten Sonnenfleckenzahl lässt sich der Zustand der Ionosphäre voraussagen.
Antennen
Bauformen von Richtantennen
Die oben dargestellten Antennen sind Mehrelementantennen
mit bestimmter Richtcharakteristik. Normale Stabantennen ,wie wir sie zum
Beispiel vom Kofferradio kennen empfangen zwar das Signal aus allen Seiten gleich gut
,allerdings empfangen sie auch die Störungen die gegebenenfalls auftreten gleich gut.
Bei allen Mehrelementantennen bestimmen die Länge der Antennenelemente
,die Abstände der Antennenelemente voneinander und die Dicke der
Elemente die Bandbreite der Antenne.
Das bedeutet ,dass die Antennen im Allgemeinen so konzipiert werde ,dass sie bestimmte
Frequenzbänder optimal empfangen können. Die Länge einer Kofferradioantenne ist so
dimensioniert ,dass sie z.B. den Bereich der UKW Sender optimal empfangen kann.
Mit zunehmender Bandbreite nehmen bei jeder Antenne aber die Empfindlichkeit
und die Richtwirkung ab.
Kenngrößen von
Richtantennen
Der große Vorteil einer Mehrelementantenne ist ,dass
sie in der Hauptempfangsrichtung eine größere Empfindlichkeit besitzt als
eine herkömmliche Antenne (z.B. einfache Stabantenne).
Ihre Richtcharakteristik ist also keulenförmig.
Zu bemerken ist allgemein ,dass die Vergrößerung
der Antennenspannung
durch eine Antenne mit größerem Antennengewinn günstiger ist ,als der
Einsatz eines Antennenverstärkers ,da der Antennenverstärker den Rauschabstand
verkleinert und damit im Endeffekt die Qualität des Signals verringert.
Kenngrößen einer Richtantenne sind das Vor-Rück-Verhältnis und der Öffnungswinkel
(Abb.3).
Bei Auftreten von Reflexionsstörungen aus der rückwärtigen Richtung werden Antennen
mit großen Vor-Rück-Verhältnis eingesetzt. Das V-R-Verhältnis wird meist in dB
angegeben und kann bis zu 30dB betragen.
Antennen mit kleinerem Öffnungswinkel werden dann eingesetzt ,wenn Störquellen
unwirksam gemacht werden sollen ,die sich etwas seitlich vom Empfangenen Sender befinden.

Abb.3
Die Bilder zeigen ein Horizontaldiagramm.
Es ist so wie man von oben auf die Antenne schauen würde. Der Mittelpunkt stellt die
Antenne dar. Unter a) ist das Diagramm einer normalen Stabantenne und unter b) das
Diagramm einer Richtantenne sichtbar. Der Öffnungswinkel wird beim 3dB Punkt bestimmt.
Gemeinschaftantennenanlagen
Bei Mehrfamilienhäusern oder Wohnblöcken benutzt man
meist nur eine Antenne pro Frequenzbereich. Bei wenigen Anschlussstellen und bei
ausreichender Stärke des Empfangs können die Antennenspannungen (Signal) über eine
Weiche direkt auf eine Leitung abgegeben werden. An diese Leitung werden die
Antennensteckdosen angeschlossen.
An diese Steckdosen werden dann die Geräte (TV & Radio) in der Wohnung
angeschlossen.
Ist der Empfang zu schwach ,muss ein Antennenverstärker
eingebaut werden. Gelegentlich
wird im Fernsehbereich ein ungünstiger Frequenzbereich mit einem Frequenzumsetzter in
einen anderen Bereich umgewandelt.
In der Gemeinschaftsantennenanlage für zwei Mehrfamilienhäuser ,kurz GA
genannt ,gelangt in linken Mehrfamilienhaus die Energie der Antennen über einen
sogenannten Stammleitungsverteiler zu vier Stammleitungen. Jede Stammleitung
durchläuft im Durchschleifungsverfahren mehrere Antennensteckdosen. Die Steckdosen am
Ende der Stammleitung sind jeweils mit einem Widerstand von 75W
abgeschlossen um Störungen zu vermeiden. Im rechten Mehrfamilienhaus sind zwei Stammleitungen
vorhanden. Stichleitungsverteiler leiten die Signale der Antennen über
Stichleitungen zu den Einzelsteckdosen der Etage. Damit die Stichleitungen
nicht zu stark durch die Stichleitungen belastet werden ,wird für jede Stichleitung in
den Verteiler ein Vorwiderstand eingebaut. Die Einzelsteckdosen werden nicht abgeschlossen
,sondern nur die Stammleitungen. Zu bemerken ist allerdings ,dass Stichleitungen nur
verwendet werden ,wenn zum Beispiel bei einer nachträglichen Installation einer
Antennenanlage Deckendurchbrüche und dergleichen erspart werden sollen. |